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Stadtentwicklung
Einsatz von Fördermitteln

Neue Wege beschreiten

Ambitioniert treibt Hanau mit einer Vielzahl an Maßnahmen die Belebung der Innenstadt weiter voran. Als langjähriger Dienstleister bei der Revitalisierung mit im Boot: die ProjektStadt.

Wie viele andere Kommunen steht auch die Brüder-Grimm-Stadt bei der Entwicklung ihrer Innenstadt vor großen Herausforderungen: Das Online-Geschäft boomt, der stationäre Handel verliert zunehmend an Bedeutung, die Immobilienpreise steigen. In der Folge stehen immer mehr Läden leer, die Qualität des vorhandenen Besatzes leidet. Mit dem bereits vor der Corona-Pandemie entwickelten Programm „Hanau aufLADEN“ begegnet das Oberzentrum im Main-Kinzig-Kreis diesem Wandel auf kreative Art und Weise. Dessen Ziel: Die Innenstadt mit neuen, frischen Ideen und Geschäftsmodellen „aufladen“. Gelingen soll dies mit einem Mix aus inhabergeführtem Handel und Filialisten, aus Gastronomie, kulturellen Veranstaltungen, Märkten sowie Pop-up-Stores und -Gaststätten. Damit möchten die Verantwortlichen unter der Regie der Hanau Marketing GmbH die Attraktivität der Innenstadt steigern, zusätzliche Frequenz erzielen und lebenswerte Orte mit hoher Aufenthaltsqualität gestalten.

Erfolgreich Fördermittel akquiriert

Dafür vorgesehen sind die Anmietung und der Zwischenerwerb von Immobilien, die Stärkung des Zentren- Managements, der Aufbau eines Kompetenzzentrums für Handel, Immobilien und Digitalisierung sowie das Ausweiten eines Verfügungsfonds auf neue Stadtteile. Der Bund fördert das Vorhaben mit Mitteln aus dem Programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ in Höhe von 3,75 Millionen Euro. Maximal fünf Millionen Euro konnten an Zuschüssen beantragt werden, nur eine Handvoll der insgesamt 238 ausgewählten Städte und Gemeinden erhalten mehr Fördergelder als Hanau. „Wir spielen dabei in einer Liga mit Hamburg, Leipzig oder Frankfurt“, so Oberbürgermeister Claus Kaminsky. Weitere 250.000 Euro steuert das Land Hessen aus dem Programm „Zukunft Innenstadt“ bei. In beiden Fällen wurde die Kommune bei der Antragstellung von der ProjektStadt | Integrierte Stadtentwicklung unterstützt.

Das Konzept geht auf, die Nachfrage ist groß. Ob Kunst, Möbel, Vintage-Mode oder Hundebedarf – zahlreiche Gründerinnen und Gründer haben die leer stehenden Flächen in der Innenstadt bereits temporär bespielt. Der Hanauer Pop-up-Gedanke erreicht auch die Gastronomie – der bisher als Parkplatz genutzte Fronhof in der Altstadt wandelte sich zur „Wirtschaft im Hof“. verantwortlicher Projektleiter der ProjektStadt. Zusätzlich 12,2 Millionen Euro haben Hausbesitzer und Geschäftsinhaber in die Hand genommen, um ihre Immobilien attraktiver zu gestalten. „Hanau aufLADEN“ fördert aber nicht nur innovative Geschäftsmodelle, sondern unterstützt auch den bestehenden Handel mit verschiedenen Angeboten. Die unter anderem vom Deutschen Städtebund getragene Initiative „Stadtimpulse“ hat den Hanauer Weg sogar „als eines der besten Beispiele zur Innenstadtentwicklung Deutschlands“ ausgezeichnet.

Projekte mit Strahlkraft

Auch in anderer Hinsicht hat sich die Brüder-GrimmStadt in Fachkreisen einen Namen gemacht: mit dem City-Konjunkturprogramm (CKP). Schon 2011 wurde es mit Unterstützung der ProjektStadt | Integrierte Stadtentwicklung eigens für Hanau konzipiert, um die Qualität der Innenstadt zu stärken. Der Clou dabei: Erstmals können öffentliche Mittel in nennenswerter Höhe in private Maßnahmen fließen. Sie setzen sich aus Bund-Länder- Zuschüssen des Programms „Lebendige Zentren“ und städtischen Geldern zusammen.

Bis zu 40 Prozent der förderfähigen Kosten können Eigentümer und Gewerbetreibende für die Fassadensanierung erhalten. Insgesamt 1,4 Millionen Euro sind bislang in rund 70 beantragte Projekte geflossen, die das Stadtbild deutlich aufwerten. „Mit diesem Anreizprogramm haben wir eine beachtliche Hebelwirkung an angestoßenen  privaten Investitionen erzielt“, resümiert André Fries, verantwortlicher Projektleiter der ProjektStadt. Zusätzlich 12,2 Millionen Euro haben Hausbesitzer und Geschäftsinhaber in die Hand genommen, um ihre Immobilien attraktiver zu gestalten.

Wie Fördergelder eingesetzt wurden und werden – darüber informierte sich eine Delegation aus dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen (HMWEVW) im Herbst letzten Jahres. Die Gruppe um Karin Jasch, Leiterin Referat Städtebau und Städtebauförderung, besuchte herausragende Projekte und Standorte in der Innenstadt. Der Rundgang führte unter anderem vom Schlossplatz über den Altstädter Markt bis hin zum KunstKaufLADEN Tacheles. Besichtigt wurden auch zahlreiche Projekte, die im Rahmen des CKP realisiert wurden. Dazu zählt auch das Kammgebäude am Freiheitsplatz, das zum Bestand der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt gehört.

Mit welchen Eindrücken Karin Jasch zurück in die Landeshauptstadt gefahren ist und wie sie die aktuellen Entwicklungen in Hanau bewertet, lesen Sie im Folgenden Interview. 

Interview

Ein neues modernes „Gesicht“ für Hanau

Die Redaktion der „PolisVision“ sprach mit Karin Jasch, Leiterin Referat Städtebau und Städtebauförderung im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, über die erfreulichen Entwicklungen in Hanau.

POLISVISION:  Die Stadt Hanau hat sich in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert. Mit Mitteln aus der Städtebauförderung wurden und werden zahlreiche Projekte realisiert. Im September 2021 haben Sie sich vor Ort über die bisherigen Ergebnisse informiert. Welches Fazit ziehen Sie?

KARIN JASCH: Ich konnte mich bei meinem Besuch in Hanau davon überzeugen: Mit Unterstützung des Landes hat die Stadt ein neues modernes „Gesicht“ gewonnen. Dabei hat Hanau stets einen ganzheitlichen, integrierten Ansatz verfolgt. Hanau geht auf die lokalen Herausforderungen ein, nimmt die Bedürfnisse der Bürgerschaft ernst und begegnet ihnen mit planerischer, kommunikativer und auch politischer Sorgfalt. Damit leistet Hanau einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung in Hessen.

POLISVISION: Mit dem City-Konjunkturprogramm hat sich die BrüderGrimm-Stadt landesweit einen Namen gemacht. Was macht es aus Ihrer Sicht so erfolgreich?

KARIN JASCH: Das Besondere an diesem Programm ist, dass private Immobilieneigentümer bei Modernisierungsmaßnahmen fachkundig beraten und finanziell unterstützt werden. So konnten die Fördermittel mehr als das Zehnfache an Investitionen anregen. Das Gesamtbild der Hanauer Innenstadt hat davon deutlich profitiert. Das gemeinschaftliche Handeln der Stadt und der privaten Akteure war hier der Schlüssel zum Erfolg. Das hat Vorbildcharakter für unsere Förderstandorte und zeigt, welche Möglichkeiten die Programme der Städtebauförderung bieten.

POLISVISION: Pop-up-Konzepte gegen Leerstand: Mit dem Programm „Hanau aufLADEN“ werden unter anderem kreative Geschäftsideen gefördert, die die Innenstadt beleben. Das fand bundesweit Beachtung. Eine Blaupause auch für andere Kommunen?

KARIN JASCH: Ja, unbedingt! Das Konzept „Hanau aufLADEN“ zeigt, wie erfolgreich Stadtentwicklung sein kann, wenn mutige Wege beschritten werden. Es hat die Innenstadt belebt und regionale Unternehmerinnen und Unternehmer ins Zentrum geholt. Die Förderung von neuen Geschäftsideen und ein kreatives Ansiedlungsmanagement greifen hier zusammen. Mit dem KunstKaufLADEN „Tacheles“ hat Hanau einen neuen Magneten in seiner Innenstadt geschaffen. Das Programm „Hanau aufLADEN“ motiviert hoffentlich viele Kommunen, kreative Lösungen für ihre lokalen Herausforderungen zu entwickeln. Dazu empfehle ich einen Besuch in Hanau. 

Das Konzept ‚Hanau aufLADEN’ zeigt, wie erfolgreich Stadtentwicklung sein kann, wenn mutige Wege beschritten werden.

Karin Jasch - Leiterin Referat Städtebau und Städtebauförderung

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Besuchen Sie uns auf der EXPO REAL in München

In diesem Jahr können wir endlich wieder unser gewohntes Programm an moderierten Fachgesprächen rund um Themen der Immobilienwirtschaft und Stadtentwicklung bieten. Alle Informationen zu unserem Messauftritt finden Sie unter: naheimst.de/exporeal.

Veranstaltungstipp passend zum Thema:

Dienstag, 4.10. - 14:00-15:00 Uhr

Innenstadtentwicklung – neue Ideen für die Infrastruktur

Innenstädte sehen sich in der Post-Corona-Phase vielfältigen Herausforderungen gegenüber. Neue Flächenkonzepte und Funktionen müssen für die städtischen Kerne gefunden werden. Für ehemals innenstadtnahe Gewerbeflächen, die heute brach liegen, braucht es ebenfalls neue Nutzungskonzepte. Anhand gelungener Beispiele zeigt die ProjektStadt in der Diskussion mit kommunalen Praktikern, wie das gelingen kann.